Kunstwerke entstehen im Einvernehmen mit dem möglichen Missverständnis – und nur mit diesem Missverständnis können wir Kunstwerke auch verstehen. In dieser Mehrdeutigkeit halten sie jene produktiven Umwege und Abwege offen, die wir nur allzu gerne durch schnelles Begreifen und blinde Zielstrebigkeit selbst verbauen. Kunstwerke sind oft opak und eigensinnig, gerade so aber bereiten sie das Terrain für einen Gemeinsinn, der am gegenseitigen Unverständnis und Missverständnis erprobt sein will. Erst recht im Zeitalter der globalen Kommunikation braucht es den Mut zum Missverständnis als ästhetischem Potential und auch die Geduld für das Provisorium allen Verstehens.

